Addendum
So, das waren sie – meine 365 Lieblings-Popsongs.
Oder zumindest fast. Denn diese Liste habe ich natürlich vor über einem Jahr erstellt, und in der Zwischenzeit ist natürlich auch musikalisch einiges passiert. Wenn ich heute noch einmal von vorn anfangen würde, dann sähe die Liste geringfügig anders aus, denn diese sechs Songs würden sich auch darauf befinden (in alphabetischer Reihenfolge):
- Breathe Me – Sia (2004). Kein neuer Song, aber einer auf den ich erst aufmerksam wurde, als ich Six Feet Under zum ersten Mal gesehen habe. Schöner traurig-wütender Rock. (Link)
- Hollywood Hills – Sunrise Avenue (2011). Mitsing-Hymne mit Geographie-Bezug (immer ein Plus: siehe z. B. Orinoco Flow), leider vom Radio vereinnahmt und ein bisschen zu oft gehört.
- Home – Thirteen Senses (2011). Ein wunderschöner zaghaft-melancholischer Song mit Akustik-Flair. (Link)
- Ready to Start – Arcade Fire (2010). Großartiger, treibender Rock, der einem fieserweise den Höhepunkt (also: den Refrain) bis zum Schluss vorenthält, à la Don’t Stop Believin’. (Link)
- The Golden Age – The Asteroids Galaxy Tour (2009). Ein wunderbar merkwürdiger, verspielter, aber dennoch geradliniger Song, bei dem man sich höchstens an die Stimme der Sängerin gewöhnen muss (und ein Hit 2011 in Österreich und der Schweiz). (Link)
- The Flood – Take That (2010). Eine Hymne, die ins Ohr geht – und mit einem interessanten “meta” Text über (vermutlich) Boybands und den Ruhm und so.
So, das war’s jetzt aber wirklich. Es sei denn ich starte nächstes Jahr “52 Pop-Alben”.
Soll ich?
#1: Don’t Look Back in Anger – Oasis
Worum geht’s: Ich habe absolut keine Ahnung. Helft mir!
So, das ist er: mein Lieblings-Popsong. Zuerst gehört habe ich ihn nicht mal im Original, sondern in einer Amateur-Coverversion beim Abi-Konzert der Jahrgangs unter mir. Ich habe keine Ahnung, was er mir sagen will. Und menschlich kann man Oasis ja auch durchaus eher so mäßig finden. Aber der Song ist so großartig, eine Hymne, die eigentlich in einer Arena gehört werden will, aber durchaus auch mit Kopfhörern in der U-Bahn funktionieren kann. Ein Gitarren-Rock-Stück mit beatlesesken Melodiebögen. Mit intertextueller Referenz (sozusagen) an Imagine im “Vorspann”. Roh und doch geschliffen. Einzigartig.
Jahr: 1996.
Hitfaktor: Nr. 1 in Großbritannien, Nr. 55 in den USA, Nr. 57 in Deutschland.
#2: Birdhouse in Your Soul – They Might Be Giants
Worum geht’s: Um ein Nachtlicht in Form eines blauen Kanarienvogels. Der gesamte Song wird aus seiner Perspektive gesungen.
Und ist das nicht schon cool genug? Nein? Okay, dann will ich noch erwähnen, dass dieser Song ein absoluter Ohrwurm ist. Und dass auch dieser Song wieder nur so vor Optimismus strahlt und einen in jeder Situation aufzumuntern weiß. Ein Nachtlicht. Diese Popmusiker!
Jahr: 1990.
Hitfaktor: Top 10 in Großbritannien.
Beste Textstelle: “I’m your only friend/I’m not your only friend/But I’m a little glowing friend/But really I’m not actually your friend/But I am” (das Nachtlicht – es ist kein Freund, weil es kein Mensch ist, aber trotzdem ist es ein metaphorischer Freund)
#3: Don’t Worry – Kim Appleby
Worum geht’s: Die Freundin (nee, is’ klar) der Sängerin wurde von einem Arschloch verlassen, weshalb sie völlig fertig ist. Und jetzt versucht sie, sie/sich zu trösten, dass es ihr bald wieder gut gehen wird.
Top-Platzierung für: einen Solo-Künstler (weiblich).
Okay, das ist jetzt der Song, mit dem niemand gerechnet hat. Ich geb’s zu, es mögen sentimentale Gründe sein und nicht so sehr musikalische, die ihn so weit nach oben befördert haben. Ich war einst ein großer Mel-and-Kim-Fan (ich war zwölf, okay?) und ziemlich traurig, als Mel starb. Als Kim dann ein paar Jahre später zurückkehrte, und mit einem Song namens Don’t Worry (!), da war das ein Riesending für mich. – Aber das alles soll nicht heißen, dass der Song an sich schlecht wäre – im Gegenteil. Der Text mag ein bisschen schlicht sein (es ist halt Pop) und das House-Piano verankert ihn klar in den späten ’80ern/frühen ’90ern. Aber die Melodie ist hübsch, und das Gesamtpaket ist so mitreißend und fröhlich, dass es wirklich Spaß macht.
Jahr: 1990.
Hitfaktor: Nr. 2 in Großbritannien, Top 10 in Deutschland.
#4: Brothers in Arms – Dire Straits
Worum geht’s: Um die Sinnlosigkeit des Kriegs (und vermutlich des Falkland-Kriegs im Speziellen). Je nach Lesart vergibt ein sterbender Soldat seinen Feinden oder tröstet ein Soldat seinen sterbenden Feind.
Top-Platzierung für: einen Song aus den ’80er Jahren.
Also, wenn ich das erklären muss, dann kann ich euch auch nicht mehr helfen. Wem bei diesem Song nicht ein Schauer den Rücken herunterläuft, der ist aus Stein. (Mindestens.) Auch einer der ganz seltenen Songs, die trotz großer Länge (6:55 min) nicht langweilig werden. Der könnte vielmehr immer weiter gehen…
Jahr: 1985.
Hitfaktor: Top 20 in Großbritannien.
Beste Textstelle: Der Text ist von vorn bis hinten toll.
#5: Clocks – Coldplay
Worum geht’s: Unmöglich zu sagen. Vieles im Text dreht sich um Bewegung und ums Scheitern, aber ein zusammenhängender Kontext ist nicht zu erkennen.
Das Piano-Thema alleine würde schon für die Top 10 reichen, oder? Aber der zwar kryptische, lyrisch aber sehr hübsche Text schadet auch nicht gerade. Und irgendwie ist das so ein Song, von dem man denkt, dass er nie aufhören kann – und ich werde ihn auch nie über, egal, wie oft er im Radio läuft. Großartige Melodie, wunderbar komplex ausgedacht.
Jahr: 2003.
Hitfaktor: Top 10 in Großbritannien, Top 30 in den USA. Platz 50 in Deutschland.
#6: The Boys of Summer – Don Henley
Worum geht’s: Die Jugend ist verstrichen (wie der Sommer), aber der Sänger erinnert sich an seine Jugendliebe, der er irgendwie immer treu sein wird.
Top-Platzierung für: einen Solo-Künstler (männlich).
Selten gelingt es einem Song, sein Thema so klar und doch unaufdringlich im Text rüberzubringen und gleichzeitig die passende Stimmung – resignierte Melancholie – musikalisch zu erschaffen. Und das dann auch noch hübsch klingen zu lassen. Die relativ berühmte Coverversion von den Ataris ist zwar auch nicht schlecht, trifft aber nicht recht den springenden Punkt: Der Sommer ist vorbei, und man kann nichts dagegen machen.
Jahr: 1984.
Hitfaktor: Top 5 in den USA, Top 20 in Großbritannien und Deutschland.
Beste Textstelle: “Out on the road today, I saw a Deadhead sticker on a Cadillac/A little voice inside my head said, Don’t look back, you can never look back”
#7: Moonlight Shadow – Mike Oldfield
Worum geht’s: Um Mord und die Existenz im Jenseits, wo immer das sein mag. Teilweise inspiriert angeblich vom Mord an John Lennon, aber auch vom Film Houdini, der König des Varieté.
Zu kitschig für die Top Ten? Vielleicht – von Synthie-Chören bis E-Gitarre bietet dieser Song so ziemlich alles auf, was man sich vorstellen kann. Aber am Ende kann ich mich der wunderbaren Komposition einfach nicht entziehen, und der gespenstisch schöne Gesang von Maggie Reilly (für sich genommen schon toll) passt auch noch hervorragend zum lyrischen Thema.
Jahr: 1983.
Hitfaktor: Nr. 2 in Deutschland, Nr. 4 in Großbritannien.
#8: Faron Young – Prefab Sprout
Worum geht’s: Um Popmusik und um Radiosender, und dass das alles irgendwie künstlich und/oder überkommen ist.
Je mehr wir uns der Spitze dieser Liste nähern, umso weniger kann ich oft erklären, warum ich gerade diesen Song so toll finde. Hier stimmt halt wieder alles: Melodie, Arrangement, dieses schnörkellose, aber trotzdem harmonische Draufhalten. Ich wette aber fast, die meisten von euch kennen Faron Young gar nicht. Hört ihn euch einfach mal an – ich glaube, ihr werdet verstehen, was ich meine.
Jahr: 1985.
Hitfaktor: Gerade mal so in den britischen Top 75.
Beste Textstelle: “You offer infrared instead of sun/You offer paper spoons and bubblegum”
Gut zu wissen: Faron Young war ein amerikanischer Country-Sänger (1932-1996). Er fand es offenbar nicht so toll, dass ein Song nach ihn benannt war, weswegen Faron Young in Amerika nur Faron hieß. Das Album, auf dem Faron Young veröffentlicht wurde, hieß übrigens in Europa Steve McQueen – und in Amerika Two Wheels Good.
#9: The Beat(en) Generation – The The
Worum geht’s: Irgendwas läuft schief in der Welt – Fundamentalismus, Gier, Krieg, Propaganda, Angst, Hass, Unterdrückung… (Das ist echt Zufall, dass das ziemlich im Einklang mit John Lennon von gestern steht…)
Das ist ein irreführend einfach wirkender Song – ein bisschen Gesang über dem schlichten Drum-Arrangement, dazu ein bisschen Gitarre, ein paar Mundharmonika-Akzente. Aber wenn alles zusammenkommt, passt es einfach. Für einen Protestsong ist der Sänger außerdem sehr lakonisch bei der Sache, was einen zusätzlichen Reiz ausmacht.
Jahr: 1989.
Hitfaktor: Top 20 in Großbritannien. Top 5 in Neuseeland.